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Bewegliche und unbewegliche Nährstoffe

Von: Soft Secrets, March 6, 2019

Die meisten Nährstoffmängel und -überschüsse lassen sich vermeiden, indem einige gewöhnliche Umweltfaktoren wie Luftzirkulation, Belüftung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit unter Kontrolle gehalten werden. Pflanzen benötigen des Weiteren ausreichend Licht, lebendige organischen Erde oder sauberes Substrat, sauberes Wasser und regelmäßige Versorgung, Pflege, Reinigung. Wenn diese Umweltfaktoren außer Kontrolle geraten öffnet sich das Tor für Nährstoffprobleme. Dieser kurze Artikel konzentriert sich auf die elementare Nährstoffverfügbarkeit und auf Überschüsse. Er befasst sich auch mit einfachen Techniken zur Fehlerbehebung und Problemlösung.

Cannabis lässt sich – ungeachtet der jeweiligen Inhaltsstoffe – mit den meisten Nährstoffformeln (Düngern) anbauen. Aber von welcher Qualität wird das Cannabis sein und welche gesundheitlichen Bedenken bleiben? Mit der passenden Nährstoffformel und unter den richtigen Wachstumsbedingungen kann medizinisches Cannabis sein genetisches Wachstumspotenzial voll entfalten.

Nährstoffe

Cannabis benötigt die nichtmineralischen Nährstoffe Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff, um Proviant zu erzeugen und um zu wachsen. Kohlenstoff (CO2) der Luft wird durch Photosynthese fixiert. Wasserstoffatome, die als Bausteine fungieren, entstammen fast vollständig dem Wasser. Sauerstoff aus der Atmosphäre wird für die Atmung und pflanzliche Prozesse genutzt. Die restlichen Elemente (die sogenannten Mineralstoffe) werden aus dem Pflanzmedium und der Nährlösung aufgenommen. Ergänzende Nährstoffe in Form eines Düngers helfen dem medizinischen Cannabis, sein maximales Potenzial zu entfalten.

Bewegliche und unbewegliche Nährstoffe

Nährstoffe sind entweder beweglich oder unbeweglich. Bewegliche Nährstoffe wandern innerhalb von Pflanzen, unbewegliche Nährstoffe verbleiben an Ort und Stelle. Beide klar auseinanderzuhalten ist der erste Schritt zur Lösung von Nährstoffüberschüssen und -mängeln.

Nährstoffe müssen für die Wurzeln verfügbar sein, damit sie aufgenommen werden können. Sie kommen in vielen chemischen Kombinationen und Formen (Verbindungen genannt) vor, die aus zwei oder mehr Nährstoffionen bestehen und sich über positive (Anion) sowie negative (Kation) Anziehung miteinander vereinen. Die Verbindungen geben Nährstoffe ab, welche unter bestimmten Bedingungen von den Wurzeln aufgenommen werden. Mit der richtigen Nährstoffformel (passender pH und richtige EC-Konzentration) sind die Nährstoffe für die Aufnahme verfügbar.

Ein Anion ist ein Ion mit negativer Ladung, da es mehr Elektronen als Protonen aufweist, und ein Kation ist ein positiv geladenes Ion, da es mehr Protonen als Elektronen hat. Gut organisiertes Leben – Mikroben, Bakterien, Pilze usw. – in organischem Boden interagiert mit natürlich vorkommenden Nährstoffen, um sie für die Aufnahme durch die Wurzeln bereit zu machen. Richtig gemischte und genährte Böden mit hoher Fruchtbarkeit benötigen nur sehr wenig zusätzlichen Dünger. Outdoor-Grower in Humboldt County (Kalifornien) beispielsweise geben für den Anbau von “4,5-kg-Pflanzen” in vitaler organischer Erde während der Blühphase nur 2 Handvoll Fledermaus-Guano dazu.

Hier eine seltsame Begebenheit. Heimgärtner, die Rasen, Blumen und Gemüse kultivieren, verwenden zehnmal mehr Dünger als Farmer, die Nahrungspflanzen anbauen. Und ich glaube, dass Cannabis-Grower bis zu 20 mal mehr Dünger als nötig verabreichen. Der überschüssige Dünger wird in die Kanalisation oder das Grundwasser gespült, was die Nutzbarkeit anderer Nährstoffe zusätzlich verkompliziert. Oder es bilden sich, im Falle von Kanalisationswasser, durch überschüssige Mineralstoffe giftige, umweltschädliche Rückstände.

Die Nährstoffe werden in 3 Kategorien eingeteilt: Makronährstoffe oder Primärnährstoffe – Sekundärnährstoffe – und Mikronährstoffe oder Spurenelemente. Jeder Nährstoff in diesen Kategorien kann weiter klassifiziert werden, entweder als beweglich oder unbeweglich. Die Lösung von Nährstoffmangelproblemen ist viel einfacher, wenn man weiß, welche Nährstoffe beweglich oder unbeweglich sind.

Experten fällt es schwer, sich über die Begriffe zu einigen. Es herrscht Verwirrung darüber, was unter sekundären Nährstoffen zu verstehen ist, aber allgemein werden sie als Makronährstoffe bzw. sekundäre Makronährstoffe gesehen und auf die gleiche Weise gemessen, als Prozentanteil der Gesamtmischung. Spurenelemente hingegen sind Mikronährstoffe und werden in ppm (parts per million) gemessen.

Bewegliche Nährstoffe sind in der Lage, sich bei Bedarf von einem Teil der Pflanze zu einem anderen zu begeben (translozieren). Wenn ein Nährstoffmangel eintritt, wandern bewegliche Nährstoffe zu dem betroffenen Bereich, um den Mangel zu beheben. So verlagert sich beispielsweise der in älteren Blättern angesammelte Stickstoff zu jüngeren Blättern, um einem Mangel abzuhelfen. Bei beweglichen Nährstoffen zeigen sich Mangelsymptome an unteren älteren Blättern zuerst. Stickstoffmangel ist an älteren Blättern zu sehen, denn als Bestandteil der essentiellen Enzymstruktur ist es notwendig, den Stickstoff ersetzen, wenn diese Enzyme denaturieren und beseitigt werden. Zu den beweglichen Nährstoffen gehören Stickstoff (N), Phosphor (P), Kalium (K) und Magnesium (Mg).

Unbewegliche Nährstoffe bleiben entweder an ihrem Ort oder bewegen sich nach der Aufnahme nur sehr wenig. Zu den unbeweglichen Nährstoffen gehören Kalzium (Ca), Bor (B), Chlor (Cl), Kobalt (Co), Kupfer (Cu), Eisen (Fe), Mangan (Mn), Molybdän (Mo), Silizium (Si), Schwefel (S) und Zink (Zn). Die Symptome eines Mangels an unbeweglichen Nährstoffen zeigen sich vor allem an jüngeren Blättern, denn diese Nährstoffe verlagern sich, wenn in neuen Wachstumszonen ein Bedarf eintritt, nicht dorthin. Sie bleiben an ihren angestammten Plätzen in älteren Blättern deponiert.

Andere Elemente – Barium (Ba), Cadmium (Cd), Chrom (Cr), Lithium (Li), Palladium (Pd) und Vanadium (V) – sind eventuell für Wachstum und Gesundheit der Pflanzen notwendig und sollten in niedrigen Konzentrationen verfügbar sein.

Toxische Nährstoffzustände

Zu oft lassen Grower ihren medizinischen Cannabispflanzungen zu viel liebevolle Pflege und Fürsorge angedeihen. Diese enthusiastische Zuwendung wird durch unzählige Werbeanzeigen für Dünger und Zusätze stimuliert. Infolgedessen geben medizinische Cannabis-Grower häufig zu viel Dünger und Zusatzstoffe, schaffen so toxische Bedingungen in der Erde. Oftmals besteht die Lösung für dieses Problem darin, den angesammelten Dünger mit Unmengen Wasser aus dem Pflanzmedium herauszuspülen. Dies schwemmt überschüssige Nährstoffe heraus, die sich in der Erde angesammelt und toxische Bedingungen erzeugt haben.
Ein Überangebot an Nährstoffen (Düngersalzen) im Substrat stört das chemische Gleichgewicht des Mediums. Dieses Ungleichgewicht führt dazu, dass einige Nährstoffe für die Aufnahme durch die Wurzeln nicht mehr verfügbar sind und die Pflanzen mit anderen Nährstoffen überversorgt werden.

Das Auswaschen des Substrats funktioniert für die meisten Nährstoffprobleme gut, löst aber nicht alle damit verbundenen Probleme. Um mehr zu erfahren informieren Sie sich bitte über die spezifischen Nährstoffe.

Ausspülen von Substraten

Spülen Sie einen 3-Liter-Behälter voller (Boden-)Substrat mit 21 Litern Wasser durch. Das kann viel Zeit und Arbeit in Anspruch nehmen, aber diese Vorgehensweise wird dazu beitragen, viele schwerwiegende Nährstoffdefizite und -überschüsse zu beheben.

Bewegliche und unbewegliche Nährstoffe

Um Boden oder Substrat auszuwaschen, genug wässern – denken Sie daran, es wird sehr viel Wasser benötigt, um überschüssigen Dünger (Düngersalze) aus dem Medium herauszuspülen. Bei einem Behälter mit einem Fassungsvermögen von 3 Litern genug Wasser hineinschütten, um sicherzustellen, dass er voll wird – also so lange, bis unten Wasser aus der Erde tropft. Dann 3 weitere Liter Wasser hineingießen und 3 Liter am Boden des Behälters auslaufen lassen – und das Ganze 7 Mal wiederholen. Nach der Zufuhr und dem Abfließenlassen von insgesamt 21 Litern Wasser ist der Vorgang fast abgeschlossen.

Nun 3 weitere Liter wässrige Düngerlösung mit dem richtigen Verhältnis und der richtigen Konzentration des Düngers hineinschütten. Der gesamte Vorgang muss innerhalb von 20 Minuten abgeschlossen sein, sonst werden die Wurzeln durch die Unmengen Wasser ertränkt.

Das Verfahren kann man 2 oder 20 Mal durchführen, wenn es nur nach 20 Minuten beendet ist. Ich wiederhole: Der Behälter muss innerhalb von 20 Minuten vollständig ausgelaufen sein. “Vollständiges Auslaufenlassen” bedeutet: zwanzig Minuten lang die Schwerkraft auf das Wasser wirken und es abfließen lassen. Auf diese Weise durchgeführt kommt es zu keiner Überwässerung.

*Wasser wird verwendet, um Düngersalze aus einem Kultursubstrat auszuwaschen. Kurz vor der Ernte spült man Pflanzen und Erde durch, um überschüssige Nährstoffe aus dem Pflanzengewebe zu entfernen.

Hinweis: Siehe Kapitel 9 Ernte, Trocknen & Fermentieren für weitere Informationen über das Durchspülen des Substrats und das Auswaschen von Düngern aus medizinischen Cannabispflanzen vor der Ernte. Siehe Kapitel 23 Containerkultur & Hydrokultur für weitere Informationen über das Auswaschen von hydroponischen Medien und wasserbasierten Hydrokulturen.

Jorge Cervantes ist Autor der Cannabis Encyclopedia (596 Seiten, mehr als 2000 Farbbilder, großes A4-Format) und von Marijuana Horticulture (alias the Bible). Beide Bücher sind weltweit bei allen Amazon-Händlern erhältlich. Sie enthalten beide ausgezeichnete Kapitel über Nährstoffe. Kontaktieren Sie Jorge auf www.marijuanagrowing.com.

Von Jorge Cervantes jorge@marijuanagrowing.com

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