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Growabfälle verwerten

Von: Kevin, November 8, 2015

Clever ernten

 

Stellen wir uns doch einfach mal vor, wir würden in einer Gegend leben, in der es legal ist, Cannabis anzubauen. Wie sehr würden wir uns auf die Ernte unserer Gewächse freuen. Wie sehr auf den Ertrag frischer Blüten! Doch jede Ernte bringt je nach Umfang des Grows zum Teil immense Mengen an „Abfällen“ mit sich, und die müssen bei weitem nicht in der Abfalltonne landen bzw. verbrannt werden, wie es bei vielen gang und gäbe ist. Denn auch an Trimm und Blättern befinden sich harzreiche, THC-haltige Trichome, und die können hervorragend genutzt, anstatt verworfen zu werden. 

 

Hanfbutter oder -öl herstellen

Wenn jemand auf THC-haltige Lebensmittel steht bzw. keine Lust hat, Cannabis zu rauchen, dann gibt es die Möglichkeit, die wertvollen Cannabis-Wirkstoffe, die auch an Ernteresten noch in guten Mengen vorhanden sind, für die Küche aufzubereiten. Denn Erntereste können genauso gut in Lebensmitteln verwertet werden, wie Marijuana oder Haschisch an sich. Grundsätzlich empfiehlt es sich, zunächst eine Butter (oder auch ein Speiseöl) herzustellen, in der die bekanntermaßen fettlöslichen Cannabinoide aus den Blättern, Blütchen und dem restlichen Trimm gelöst werden. Diese potente Hanfbutter kann dann hervorragend in der Gefriertruhe gelagert und wie jede andere Butter zur Zubereitung aller möglichen Speisen verwendet werden, die dann natürlich psychoaktive Eigenschaften haben. Also aufgepasst!

Und so stellt man die Butter her: Grundsätzlich gibt es diverse Varianten und Verfahren, um Cannabisbutter herzustellen – z. B. eine, bei der das geschmolzene Fett mitsamt den psychoaktiven Pflanzenteilen für 24 Stunden geköchelt wird. Das ergibt am Ende die potenteste Butter, in der sämtliche Cannabinoide sowie ein Großteil der im Cannabis vorkommenden Terpene enthalten sind. Wir beschränken uns in diesem Text auf die Express-Variante, bei der vornehmlich das THC extrahiert wird. Dazu wird das getrocknete und gut zerkleinerte (am besten gemahlene) Pflanzenmaterial zusammen mit der verflüssigten Butter für 10 bis 20 Minuten auf 85 Grad Celsius geköchelt. Anschließend wird abgefiltert und die Butter zum Erkalten stehen gelassen oder in den Kühlschrank gegeben. Mit dem Schongarer kann das Cannabis in der geschmolzenen Butter länger und – wie der Name vermuten lässt – schonender geköchelt und damit ausgezogen werden, das ganze Verfahren ist jedoch ein wenig komplizierter. Insgesamt lässt sich zu diesem Thema festhalten, dass mit THC-haltiger Butter hergestellte Backwaren sich ganz besonders gut lagern lassen – und vor allem sehr unauffällig sind. Erstens verströmen sie nicht den typischen Cannabisgeruch, zweitens sieht man einem solchen Gebäck die berauschenden Eigenschaften in aller Regel nicht an und drittens können Hanfkekse zum Beispiel auch zwischen anderen, „normalen“ Plätzchen aufbewahrt werden. In diesem Fall sollte man dann jedoch stets darauf acht geben, dass kein Unbefugter das Naschwerk zu sich nimmt – das gilt natürlich in besonderem Maße für Kinder und Jugendliche.

Möchte man ein cannabinoides Speiseöl herstellen, das man anschließend zum Verfeinern oder Anbraten von Speisen verwenden kann, so erhitzt man beispielsweise einen Liter Oliven- oder Rapsöl auf 100 Grad. Die getrockneten und zerkleinerten Erntereste (etwa 50 bis 60 Gramm auf einen Liter) dazugeben und eineinhalb Stunden lang köcheln lassen. Anschließend die Pflanzenteile abseihen und das Öl in eine möglichst dunkle Flasche abfüllen. Das Speiseöl muss nach der Herstellung unbedingt kühl gelagert werden, weil es sonst zu verderben droht.

Haschisch aus Trimm und Blättern?

Aus Ernteresten lässt sich auf verschiedene Art und Weise ganz wunderbar Haschisch herstellen. So können die wertvollen Trichome zum Beispiel von Blättern und Trimm getrennt werden, indem man sie einfach absiebt. Das ist allerdings, je nach Material, recht mühsam und auch nicht maximal ergiebig, so dass sich die Herstellung von Water- oder Ice-Hasch anbietet. Doch eins nach dem anderen:

Grundsätzlich empfiehlt es sich, schon über einem Sieb (zum Beispiel über einem sogenannten Worktable oder mit Hilfe eines Mikronsieb-Systems, wie z. B. dem bekannten „Tan Tam“) die Buds zu trimmen. Während dieser Arbeit – also dem Maniküren der Blüten, bei dem die Blätter rund um die Buds entfernt werden – fallen schon viele Trichome herunter und wären, ohne untergelegtes Siebsystem, vermutlich verloren oder zumindest von all den Grünabfällen, die sich zwangsläufig mit auf dem Arbeitstisch befinden, verunreinigt. Mit Mikronsieben sammelt man die Harzköpfchen, die im Fachjargon auch Skuff genannt werden. Ein gutes Beispiel, um sich das vorzustellen, wenn man es noch nie gesehen hat, sind die dreiteiligen Grinder, die am unteren Ende ein Skuff-Fach haben, in das die Harzdrüsen der gegrindeten Buds hineinfallen. Solche Siebe, auch mit größeren Flächen, lassen sich relativ leicht selber herstellen. Entweder man bedient sich dafür eines käuflich zu erwerbenden Siebs oder Mikrontuchs, das man auf einen einfachen Rahmen aufspannt. Manche nehmen aber auch die Nylonstrümpfe der Partnerin, um daraus ein feinmaschiges Sieb zu basteln. Beides funktioniert. Über solchen Sieben kann man nun, wie erwähnt, direkt die Trimmarbeiten machen, aber es klappt auch, die Ernteabfälle nach dem Maniküren manuell abzusieben. Dazu werden die Pflanzenteile (Blätter, Trimm, Miniblütchen) auf dem Sieb entweder nur geschüttelt (das ist die schonendere Variante, bei der am wenigsten Verunreinigungen entstehen), oder aber sie werden abgerieben (wobei bei dieser Technik einiges an grünem Pflanzenmaterial mit ins Hasch gerät).

Die gesammelten Trichome können anschließend getrocknet und in Puderform verwendet oder aber zu Haschischklumpen oder -platten von guter Qualität veredelt werden.

Wie oben schon erwähnt, ist das Sieben des Pflanzenmaterials eine Technik, bei der leicht Trichome verloren gehen oder auch mit Vegetationsresten verunreinigen (was dann ein „krautigeres“ und häufig auch grüneres Haschisch ergibt). Eine bessere und ergiebigere Methode ist deshalb das Verfahren des Water- oder Ice-Hasch-Herstellens. Hierfür gibt es bezahlbare kommerzielle Systeme, die aus verschiedenen Beuteln mit Siebfunktion bestehen (so genannte Bubble Bags, weshalb das Hasch auch Bubble Hasch genannt wird). Die kommen schlicht in einen oder zwei Eimer – je nach Vorliebe lassen sich Techniken mit einem Eimer und grob siebendem Beutel und einem Eimer, in dem die anderen Siebgrößen ihre Arbeit verrichten, anwenden –, die dann mit Wasser und Eis aufgefüllt werden. Mit dazu kommen die zuvor für mehrere Tage eingefrorenen Pflanzenteile (exklusive der groben und harten Stengel, die womöglich die Bubble Bags zerstören würden), deren Harzdrüsen wir extrahieren wollen. Das Ganze wird anschließend mit einem elektrischen Mixer verrührt. Das Eis sorgt nun dafür, dass die Trichome vom gefrosteten Pflanzenmaterial abbrechen und ins Wasser gespült werden. Dann werden die Harzdrüsen in bzw. von den Bubble Bags mit verschiedenen Maschengrößen gesammelt, wobei der engmaschigste Beutel das feinste Haschisch hervorbringt und so weiter. Das Prinzip dürfte den meisten bekannt sein. Wasser- bzw. Ice-Hasch ist mit das beste Hanfharzprodukt, was wir hierzulande aus Cannabis herstellen können. Und es wird den einen oder anderen wundern, welche Mengen Haschisch man aus den vermeintlichen Abfällen zu produzieren in der Lage ist. Wer keine Lust auf oder Zeit für Bastelarbeiten hat oder handwerklich nicht so geschickt ist, der kann auf eines der im Handel erhältlichen Fertigsysteme zurück greifen. So sind z. B. die bekannten und beliebten Systeme der Niederländerin Mila Jansen – das sind der Pollinator und der Ice-O-Lator – ganz besonders zu empfehlen.

Schließlich ist da noch das Scheren-Haschisch, das nach dem Maniküren der Buds an den Klingen unseres Schneidwerkzeugs kleben bleibt. Diese Harzrückstände lassen sich ganz urtümlich und ohne jeden Extraktor sammeln: Man kann sie nämlich einfach mit einer anderen Klinge gut abschaben und zu kleinen Kügelchen formen. Mit der Zeit und je nach Masse der Ernte kann aus einem winzigen Kügelchen ein ansehnliches Stück Dope resultieren.

Tinkturen und alkoholische Extrakte

Mit einem high end Extraktor, wie er in der relativ neuen Dabbing-Szene gebräuchlich ist und der gewöhnlich mit Hilfe eines Lösungsmittels (meist Butan) ein öliges Konzentrat aus Marijuana-Blüten oder Haschisch extrahiert, lassen sich Blattwerk und Trimmabfälle auch verwerten. Wer ein solches Gerät besitzt, sollte es auch verwenden, um aus seinen Ernteresten das Letzte heraus zu kitzeln. Alternativ gibt es die Möglichkeit, mit Hilfe von T-Shirt-Pressen, Olivenpressen oder gar simplen Glätteisen für die Haare ölige Cannabis-Konzentrate ohne Zusatz von Lösungsmitteln wie Butan herzustellen (siehe dazu den Artikel in der vorigen Ausgabe). Nun braucht aber nicht zu verzweifeln, wer keinen Extraktor und keine Bügelpresse sein Eigen nennen kann. Wir kennen nämlich auch Flüssigextrakte, und die sind genau so gut und potent, wie rauchbare Konzentrate. Es ist beispielsweise möglich, einen alkoholischen Extrakt, sprich: eine Tinktur, aus den Ernteresten zuzubereiten. Und das funktioniert so:

Wir nehmen entweder bereits getrocknete Erntereste oder aber wir breiten die frischen Blätter und Miniblüten auf einem Backblech aus, um sie im Ofen auf 100 Grad für etwa 15 Minuten zu trocknen und damit gleichzeitig zu decarboxylieren. Dies bietet den Vorteil, dass die in den Pflanzenteilen anwesenden Säureformen der Cannabinoide, die ja keine psychoaktiven Eigenschaften aufweisen, in ihre aktiven Formen überführt werden. Anschließend füllen wir das Pflanzenmaterial in ein gut verschließbares, am besten dunkles Glas und füllen alles mit möglichst hochprozentigem Alkohol auf (Schnaps, Wodka oder ähnliches). Das ganze gut durchschütteln und ab in den Kühlschrank damit. Dort muss das Gemisch dann idealerweise drei mal täglich gut durchgeschüttelt werden und für mindestens eine Woche stehen bleiben, länger ist natürlich besser für die Extraktion. Abschließend wird alles abgefiltert – am besten durch ein Tuch und einen Kaffeefilter – und die Flüssigkeit wieder in ein möglichst aus Braunglas bestehendes Behältnis abgefüllt. Fertig ist unsere potente Cannabis-Tinktur, die nur aus „Abfällen“ hergestellt wurde! (Ein längerer und detaillierter Artikel über die Produktion von Cannabis-Tinkturen findet sich übrigens in Ausgabe 2/2015 eurer Soft Secrets.)

Ein weiteres Thema, wenn wir über Extrakte sprechen, ist die Solubilisierung. Produkte wie Hula Solution und Lecithol extrahieren die Cannabis-Wirkstoffe u.a. ebenfalls auf einer alkoholischen Basis. Selbstverständlich können für dieses Verfahren auch Erntereste verwendet werden. Insbesondere für die Extraktion von kleinsten Blütchen, die bei vielen Growern im Abfalleimer landen, ist die Solubilisierung geeignet. Entsprechende Kits zur Herstellung solcher Extrakte sind im Fachhandel verfügbar.

Kapseln selber machen

Mit Hilfe einfacher Gelatinekapseln, die in verschiedenen Größen und für wenig Geld verfügbar sind (zum Beispiel über die Apotheke, aber auch ganz unkompliziert übers Internet), können potente Zubereitungen aus Ernteresten hergestellt werden. Es ist wenig sinnvoll, die Kapseln mit gemahlenem Pflanzenmaterial zu füllen, zum Beispiel, wenn jemand auf die Idee kommt, die Minibuds, die nach dem Trimmen anfallen, einfach zu mahlen und in Kapseln abzufüllen. Damit würde man sich dosismäßig im Bereich des Micro Dosing befinden, und man müsste recht viele Kapseln einnehmen (je nach Empfänglichkeit), um eine Wirkung zu provozieren. Besser ist es, man befüllt sich seine Kapseln mit einem Extrakt, der zuvor aus den Trimmresten zubereitet wurde. Dafür eignet sich zum Beispiel das oben erwähnte THC-haltige Speiseöl oder jede andere Form von Speisefett, das mit Cannabinoiden angereichert wurde. Je nach verwendetem Pflanzenanteil, kann ein solches Öl gut in der Potenz beeinflusst werden. Um die Kapseln zu befüllen, bedient man sich am besten einer Spritze, wie es sie in der Apotheke oder beim Hausarzt gibt. Öl kann direkt in die Kapsel gegeben werden, harte Fettformen müssen zuvor durch Wärmeeinfluss verflüssigt werden. Nach dem Abfüllen der Kapseln sollten diese unbedingt im Kühlschrank gelagert werden, nicht jedoch im Eisschrank!

Noch was?

Natürlich kann man auf jede mehr oder weniger komplizierte Prozedur der Zubereitung von Ernteresten auch verzichten, und das Material einfach vaporisieren. Das ist gerade bei besseren Trimmresten, wenn die vermeintlichen Abfälle z. B. vornehmlich auch kleinsten Blütchen bestehen, auch recht gut möglich und wird gern gemacht. Butter und ähnliches, Tinkturen und Extrakte lassen sich allerdings besser und im Zweifel auch länger lagern, verströmen keinen verräterischen Geruch (was uns aber egal sein kann, wenn wir Patienten mit Ausnahmeerlaubnis sind oder in einer Gegend leben, in der der Cannabisanbau schon legal ist) und lassen sich gut verarbeiten.

Zum Schluss noch ein Buchtipp und Hinweis: Autor Ed Rosenthal, der US-amerikanische Kultgrower, hat dem Thema Resteverwertung ein ganzes Buch gewidmet, das aber bisher leider nur in der englischsprachigen Originalversion verfügbar ist. „Beyond Buds“ behandelt alle im Artikel angesprochenen Aspekte und vertieft auf insgesamt 178 Seiten, was nach der Ernte mit Trimm und Blättern alles angestellt werden kann. Das Buch gibt es auf www.quicktrading.com (USA) und www.nachtschatten.ch (Schweiz und deutschsprachiger Raum).

 

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