Erste Ergebnisse der Schweizer Cannabis-Test-Programme

Mercedes.Frank
02 Apr 2024

Die Schweiz ist ein weiteres europäisches Land, das derzeit den Weg zu legalem Cannabis beschreitet. Die Schweizer Behörden haben jedoch einen anderen Ansatz als Deutaschland gewählt, um den Freizeitkonsum der Pflanze zu regulieren. Das Alpenland hat in mehreren Städten und Kantonen Cannabis-Pilotprogramme gestartet. Ziel dieser Testprogramme ist es, sich mit den Verbraucherinteressen vertraut zu machen sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit Cannabis zu fördern.


Die Legalisierung von Cannabis kommt langsam aber sicher nach Europa. Während Deutschland das jüngste Land ist, das sich gerade der legalen Cannabis-Szene angeschlossen hat, versucht auch das Nachbarland Schweiz, eine Regulierung durchzusetzen. Die Schweizer Behörden haben sich für die Aktivierung von Cannabis-Pilotprogrammen entschieden, die Freizeitkonsumenten eine begrenzte Anzahl von legalen Cannabisprodukten anbieten.  In den letzten Jahren wurden in mehreren Städten des Landes Test-Cannabisprogramme gestartet, darunter in Zürich, Lausanne, Bern, Biel und Luzern sowie in den Kantonen Basel-Stadt und Genf.

Im März wurden die ersten Daten aus den Pilotprogrammen veröffentlicht. Die Erkenntnisse geben einen ersten Einblick in die Nachfrage nach legalem Cannabis und die damit verbundenen Trends unter den Schweizer Cannabiskonsumenten. Diese Daten werden von den Behörden verwendet, um festzustellen, ob der Freizeit-Cannabiskonsum in der Schweiz Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit hat oder Risiken birgt. Durch die Regulierung der Abgabe von Cannabis über bestehende Apotheken in Städten mit aktiven Pilotprogrammen versuchen die Behörden auch, einen Rahmen zu schaffen, der einen risikoärmeren Marihuanakonsum fördert.

 

Erste Ergebnisse Zürich

Eines der ersten Pilotprojekte in der Schweiz ist ZüriCan, das im Jahr 2022 in der größten Schweizer Stadt Zürich gestartet wurde. Insgesamt 2.100 Teilnehmer können dank dieses Programmes Zugang zu legalem Marihuana bekommen.

Bis März 2024 nutzten 1.928 Personen das Programm und erwarben Cannabis im Rahmen von ZüriCan, wie aus den kürzlich veröffentlichten vorläufigen Daten hervorgeht.

Am beliebtesten ist das Programm bei der Altersgruppe der 28- bis 32-Jährigen, während das Durchschnittsalter der Teilnehmer bei 35 Jahren liegt. Mehr als 80 % der registrierten ZüriCan-Nutzer sind Männer, nur 18 % sind Frauen und 1,2 % sind nicht-binär. Eine solche Ungleichheit war jedoch keine Überraschung. Eine 2016 in der Schweiz durchgeführte Online-Umfrage ergab, dass der größte Teil der Cannabiskonsumenten in der Schweiz Männer sind.

Die ersten Daten deuten außerdem darauf hin, dass die Mehrheit der Konsumenten vier oder mehrere Male pro Woche Gras konsumiert. Bei etwa einem Viertel der Teilnehmer wurde eine Cannabiskonsumstörung festgestellt, bevor sie Zugang zu den Produkten der Studie erhielten, die derzeit neun Optionen anbietet. Die Nutzer können zwischen fünf Blüten und vier Haschischprodukten mit unterschiedlichen THC- oder CBD-Gehalten wählen.  Die Daten zeigen auch, dass das Interesse für alle Arten von Produkten besteht. Fast 16.500 Einzeltransaktionen wurden bisher abgeschlossen, und rund 140 kg Cannabis wurden in Fünf-Gramm-Packungen verkauft.

Die Zürcher Daten geben vorerst keine Auskunft darüber, welche Cannabissorten bei den Konsumenten am beliebtesten sind.

 

Erste Ergebnisse Basel

Der Kanton Basel-Stadt hat ebenfalls Zwischenergebnisse zu seinem Cannabis-Testprogramm veröffentlicht. Es handelt sich um ein kleineres Programm als das in Zürich, bei dem nur 378 Teilnehmer Zugang zu legalen Cannabisprodukten erhalten. Im Rahmen von Weed Care (so der Name des Programms) können die Teilnehmer sechs verschiedene Cannabisprodukte erwerben. Im Rahmen des Programms werden sie auch gebeten, Fragebögen zu ihrer psychischen und physischen Gesundheit auszufüllen. Gemäss den ersten Daten aus Basel-Stadt sind rund 11% der Weed Care-Teilnehmer aus dem Programm ausgestiegen. Grund dafür ist die Nichtbeantwortung der vorgeschriebenen Fragebögen.

Im ersten Jahr von Weed Care wurden insgesamt 8.176 Käufe von Gras getätigt und 41 kg Cannabis verkauft. Die Teilnehmer konsumierten im Durchschnitt 1,2 Joints pro Tag, und Gras an etwa 20 Tagen im Monat. Fast alle Teilnehmer (94 %) gaben an, dass sie mit den Apotheken, in denen sie einkauften, zufrieden waren. Auch die Apotheker berichteten über positive Erfahrungen mit dem Programm.

Allerdings scheinen die Teilnehmer mit der Produktqualität und dem Angebot weniger zufrieden zu sein. Aus diesem Grund hat die Hälfte der Nutzer (49 %) neben dem Bezug von Produkten über Weed Care auch Cannabis aus anderen "illegalen" Quellen bezogen. Fast 70 % der Teilnehmer gaben an, dass sie neben der Blüte und dem Haschisch, die ihnen im Rahmen der Studie zur Verfügung stehen, weitere Produkte wünschen. Davon gaben 70 % an, dass sie Esswaren wollten, 59 %, dass sie THC-Öl wollten, und 43 %, dass sie E-Liquids wollten. Über 30 % gaben an, dass sie mit der Qualität der verfügbaren Produkte unzufrieden waren, und 20 % sagten, dass sie Cannabis mit einem höheren THC-Gehalt bevorzugten.

 

Das sind definitiv einige interessante Zahlen. In der nächsten Zeit könnten auch andere Schweizer Städte Zwischenergebnisse aus ihren Pilotprogrammen veröffentlichen, um die Ergebnisse aus Zürich und Basel-Stadt zu ergänzen. Insgesamt werden mehr als 17.000 Schweizer Bürgerinnen und Bürger über die Cannabis-Testprogramme des Landes Zugang zu legalem Cannabis erhalten. Das bisher größte Pilotprojekt soll 7.500 Teilnehmer aufnehmen und wurde kürzlich vom Bundesamt für Gesundheit in Zürich genehmigt.

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Mercedes.Frank